Andacht März 2020: Leiden aus Leidenschaft

Sicherlich kennen Sie den leidenschaftlichen Fußballspieler, den seine beginnende Kniearthrose nicht vom Spielen abhält, auch wenn vor dem Spiel eine Tablette nötig ist und danach erst recht. Oder kennen Sie die passionierte Gartenliebhaberin? Selbst wenn der Rücken schmerzt, das Unkraut wird gezupft, die Blumen und das Gemüse werden gehackt, gegossen und mit Liebe gepäppelt. Dann gibt es da den Modellbauer, trotz seiner Nackenschmerzen bastelt er Stunde um Stunde mit völliger Hingabe an seinen Modellen. Und dann war da der junge Mann, der nach dem Kino zwei Kilometer Umweg geht, um seine Liebste nach Hause zu begleiten, damit sie nicht allein durch die Dunkelheit gehen muss und sicher daheim ankommt.


Wenn wir etwas leidenschaftlich lieben, dann nehmen wir dafür auch gerne Unannehmlichkeiten, Anstrengung oder sogar Schmerzen auf uns. In dem Wort „Leidenschaft“ steckt ja schon das Wort „Leid“. Für das, was uns wirklich wichtig ist, nehmen wir vieles auf uns, mit Hingabe widmen wir uns einem geliebten Menschen, einem Hobby oder einer Aufgabe.


Die wohl eindrucksvollste Geschichte einer großen Leidenschaft können wir uns im Gottesdienst an den sechs Passionssonntagen erzählen lassen. Die Geschichte handelt vom Leidensweg Jesu, von Verrat, Folter und Tod und ist zugleich die größte Liebesgeschichte der Welt, in der wir Menschen die Geliebten sind.


Weil wir Gottes Gebote gebrochen haben, wurde uns Strafe auferlegt, doch wie ein liebender Vater, der nicht mit ansehen kann und will, wie wir, seine Geschöpfe gestraft werden, wird Gott in Jesus Christus selbst Mensch und nimmt, einem Bürgen gleich, unsere Schuld auf sich. „Er trug unsre Qual und litt unsre Schmerzen, unsere Strafe liegt auf ihm, zu unserm Frieden.“ (Jes 53, 4.5b) Das hat Händel in seinem Oratorium „Der Messias“ vertont. Kann es größere Liebe geben?


Die Reihenfolge der Passionssonntage kann man sich übrigens gut mit einem kleinen Spruch einprägen:


In       Invokavit
rechter       Reminiszere
Ordnung       Okuli
lerne       Lätare
Jesu       Judika
Passion.   Palmsonntag

 

 

 

 

Daniela Heidler

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