Gottes Liebe ist stärker als der Tod

Jedes Jahr am Ostertag wird in unserer Kirche eine neue liebevoll gestaltete Osterkerze zum ersten Mal angezündet. Ihr Licht begleitet uns in allen folgenden Gottesdiensten. Die Kerze sagt uns: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Christus ist auferstanden!

Dennoch bleibt die Frage: Wie soll das denn gehen: ein Leben nach dem Tod? Unsere Erfahrung mit dem Sterben zeigt doch: wer tot ist, bleibt tot, ist einfach weg, kommt nicht wieder. Von Henri Nouwen gibt es eine Geschichte, die sich mit dem Leben nach der Geburt befasst:
Ein Zwillingspaar in der Gebärmutter unterhält sich.
„Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"
„Ja, ich denke schon, dass es das gibt. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf dieses Leben nach der Geburt vorbereiten, vielleicht damit wir stark genug sind für das, was uns erwartet."
„Ach was! Ich glaube nicht, dass es das wirklich gibt. Wie soll denn das überhaupt aussehen, so ein 'Leben nach der Geburt'?"
„Na ja, das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und werden mit dem Mund essen?"
„So ein Unsinn! "
„Auch wenn ich nicht genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."
„Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"
„Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein."
„So ein Käse! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."
„Doch. Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt."

Wo wir nur das Ende sehen, öffnet Gott den Weg in eine neue Wirklichkeit. Wir alle - Lebende und Verstorbene - sind in Christus verbunden. Leid, Krankheit und Schicksal gehören zu unserem Leben, aber sie haben nicht das letzte Wort. Das verändert unser Leben schon jetzt, im Hier und Heute. Darum holen wir das Licht der Gedenkkerzen für verstorbene Gemeindeglieder immer von unserer Tauf- und Osterkerze, denn: Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

Gisela Schleifer

Quelle: www.engelbrecht-media.de,
Dialog frei nach Henry Nouwen „Dialog der
Zwillinge im Mutterleib“, 1994

 

Tags: